Mai
16.

Ein Spatz und seine Stars

Pix Ein Spatz und  seine Stars

Eine kurze Reise durch 30 Jahre Kinderfilmfestival "Goldener Spatz" in Gera
Von Angelika Bohn Vor 30 Jahren brütete ein "Goldener Spatz" in Gera ein Kinderfilmfestival aus. 1979 liefen natürlich nur DEFA-Filme und DDR-Fernsehfilme. Damals war "Spuk unterm Riesenrad" mein Favorit. Aber die Kinderjury gab ihren Preis dem zauberhaften Film "Ein Schneemann für Afrika".

Von Beginn an sorgte der Spatz dafür, dass in Gera die Kinder ihre Stars anfassen konnten. So unterbrach 1979 DEFA-Indianer Gojko Mitic seinen Skiurlaub in Mühlleiten. Auf dem Festival erinnerte er sich dann an ein Geschenk, das man ihm in Gera 1972 gemacht hatte: ein Ferkel als Glücksschwein. Das verblieb zur Betreuung in Gera. Es sei ein Jahr später "fett wie ein Mops" gewesen. Mitic spendete es für die Weltfestspiele, wo es in den Mägen hungriger Jugendlicher und Studenten landete.

Zum ersten Familien-Film-Fest im Haus der Kultur 1983 waren es die Stars von "Spuk im Hochhaus" und wieder Gojko Mitic, die von kleinen Filmfans umschwärmt wurden. Zwei Jahre darauf heizte Wolfgang Lippert mit "Erna kommt" die Stimmung an. Die Schauspielerin Helga Göring, 1985 Mitglied der Fachjury, hatte ihren siebenjährigen Enkel Benjamin mitgenommen. Der wollte nach drei Tagen keine Filme mehr gucken und lieber spielen.

1987 stellte Rolf Losansky sein "Schulgespenst" in Gera vor und erneut eroberte ein Film dieses wunderbaren Regisseurs die Gunst der Kinderjury. Einen Preis der Fachjury gewann 1989 "Ich bin klein, aber wichtig" von Konrad Weiß. Der Regisseur gehörte im September 1989 zu den Erstunterzeichnern des Gründungsaufrufes der Bürgerbewegung "Demokratie Jetzt".

Ein Katzenfresser vom Planeten Melmac läutete 1991 die Ära des gesamtdeutschen Kinderfilms in Gera ein: Alf alias Tommi Pieper mischte das Familien-Film-Fest auf. Allerdings drohte wegen Geldmangels fast das Aus. Das wurde 1993 durch die Gründung der Stiftung "Goldenrer Spatz" abgewendet.

Veronica Ferres, von den Kleinen als Schulsekretärin in "Unser Lehrer Dr. Specht" geliebt, von den Großen als Fälscherliebchen in "Schtonk" bewundert, war 1995 Ehrenmitglied der Fachjury und genoss die "familiäre Atmosphäre". Weltstar Horst Buchholz (1933-2003) schimpfte 1997 über die "beschissene" Neuverfilmung der "Halbstarken" mit dem "viel zu alten Til Schweiger". Iris Berben stellte das "Rennschwein Rudi Rüssel" vor. Mit "Spuk aus der Gruft" gewann 1999 endlich doch noch ein Film der Spuk-Reihe einen "Goldenen Spatzen". 2001 machte die Neuverfilmung eines Klassikers das Rennen: "Emil und die Detektive". Käpt´n Blaubär alias Wolfgang Völz war Stargast und erklärte nach dem Genuss von vier Rostern nebst Brötchen plus zwei Köstritzer Schwarzbieren: "Diese Thüringer Würste sind unübertroffen!"

Seit 2003 hat der Spatz zwei Nester. In Gera will er sich um die Kinder kümmern, in Erfurt ums Geldbeschaffen, -verteilen und -verdienen. Es geht ihm dabei wie jedem alten Vogel zwischen alter Ehefrau und junger Geliebten. Mächtig Stress, zumal er seit 2007 jährlich ran muss.

Trotzdem: Viel Glück zum 30.!

Eine Ausstellung zum 30. Spatzen-Geburtstag ist bis 23. Mai in den Gera-Arcaden zu sehen.

Mai
16.

Thüringer Fachärzte schließen ihre Praxen

Pix Thüringer Fachärzte schließen ihre Praxen

Aktionswoche vom 18. bis 22. Mai
Gera (OTZ/HS). In Thüringen bleiben vom 18. bis 22. Mai die Praxistüren vieler niedergelassener Fachärzte zu.

Mit ihrer Aktionswoche wollen die Mediziner vor allem auf die prekäre finanzielle Situation aufmerksam machen. Hintergrund ist die politische Neuordnung der Finanzierung im ambulanten Gesundheitswesen. Unabhängig vom Behandlungsaufwand erhält jeder Arzt pro Patient und Quartal eine Art Pauschale, die als Regelleistungsvolumen (RLV) bezeichnet wird. Das RLV reiche beispielsweise bei Augenärzten nicht einmal zur Kostendeckung für eine Beratung pro Patient, kritisiert die Gemeinschaft Gebietsärztlicher Berufsverbände (GBB) Thüringen.

"Schon im 2. Quartalsmonat ist das uns zur Verfügung stehende RLV nahezu aufgebraucht", stellt sich die Problematik der Geraer Dermatologen aus Sicht der Hautärzte Dr. Gisbert Paul und Dr. Henning Schnee dar. Alle weiteren ärztlichen Leistungen werden nur noch zu einem unbekannten Bruchteil vergütet. "Wir haben Verantwortung für die Patienten und - als Selbständige - für unsere Angestellten. Und die laufenden Kosten für eine Praxis müssen auch gezahlt werden", so Dr. Schnee. "Noch lehnen wir keinen Patienten ab", ergänzt Dr. Paul. Um einer finanziellen Schieflage vorzubeugen müsse man aber vom ersten Tag des Quartals an, Patientenzahl und Leistungsmenge dem vorgegebenen Budget anpassen und gegebenenfalls reduzieren.

Für das 2. Quartal 2009 wurde den rund 100 Thüringer Dermatologen zur Behandlung der Patienten ein Vergütungssatz pro Patient von 17,13 Euro zugewiesen. Diese Pauschale deckt nach Berechnung des Berufsverbandes Deutscher Dermatologen (BVDD) kaum die Betriebskosten pro Patient und Quartal. Für die Erstkonsultation im Quartal erhält der Hautarzt im Schnitt 14 Euro pro Patient. Die restlichen drei Euro sollen für weitere Behandlungen, Allergietestungen, operative Eingriffe, UV-Therapie und weitere medizinisch notwendige Dinge reichen.

"Mit der Aktionswoche wollen wir auch im Sinne unserer Patienten auf die Begrenzung und Gefährdung der wohnortnahen fachärztlichen Versorgung hinweisen. Der Hautarzt um die Ecke wird zum Auslaufmodell. Wartelistenmedizin und eventuell vermeidbare häufigere und teuere Krankenhauseinweisungen drohen", so die Mediziner.

Während der Aktionswoche haben die Geraer Hautärzte eine Notfallbesetzung organisiert. Welcher Arzt Notfalldienst hat, ist an den Praxen ersichtlich.

Mai
16.

Pößneck zieht Toleranzgrenzen

Pix Pößneck zieht Toleranzgrenzen

Acht künstlerische Warnschilder um Schützenhaus von Neonazi Rieger aufgestellt - Starkes Polizeiaufgebot
Von OTZ-Redakteur Peter Cissek Pößneck. Die Stadt hat gestern Abend eine optische Grenze der Toleranz rund um das Schützenhaus gezogen.

Die acht besten Einsendungen zum Kunstwettbewerb "Toleranzgrenze" wurden als Warnschilder an der Straßenseite des früheren Kreiskulturhauses aufgestellt, das sich trotz aller Bemühungen der Stadt immer noch in Besitz einer britischen Stiftung befindet. Hinter jener verbirgt sich der Hamburger Rechtsextremist und NPD-Bundesvize Jürgen Rieger. "Dieser Ungeist hat in Pößneck keine Heimat", sagte Landrat Frank Roßner (SPD), der selbst in der Stadt wohnt.

An der Vernissage unter freien Himmel nahmen nach Schätzung des Leiters der Polizeiinspektion Saale-Orla, Heiko Steinbiß, rund 120 Pößnecker und Gäste teil. Die Polizei hatte die Veranstaltung mit 70 Einsatzkräften abgesichert, weil bekannt wurde, dass sich Rechte auf dem Schützenhaus-Gelände aufhalten werden.

Aus Sorge, dass sich die im Dezember 2003 bei einer Auktion an Rieger geratene innerstädtische Immobilie zum dauerhaften Treffpunkt der rechten Szene etabliert, wollte die Stadt ein Zeichen setzen. Gemeinsam mit dem Verein "Pößneck attraktiver" rief sie einen Kunstwettbewerb aus, an dem sich 101 Künstler aus Deutschland, Belgien, Österreich, der Schweiz und Niederlande mit 211 Entwürfen beteiligten. Die acht besten Kunstwerke wurden gestern nicht nur aufgestellt, sondern auch prämiert. Der erste Preis ging an die aus Holland stammende Künstlerin Karien Vervoort aus Wernburg bei Pößneck. Sie hat den ersten Satz aus dem Grundgesetz - Die Würde des Menschen ist unantastbar - zur zentralen Aussage ihres Bildes gemacht.

"Damit hat eine kleine Stadt ein Beispiel für größere Städte geliefert, die mit einem ähnlichen Problem kämpfen", sagte Kultur-Abteilungsleiter Dr. Werner von Trützschler vom Kultusministerium im Namen des Schirmherren und Ministers Bernward Müller (CDU).

Die Veranstaltung verlief ohne größere Zwischenfälle. Ein Teilnehmer hatte gegen das Vermummungsverbot verstoßen. Ein anderer Mann wurde angezeigt, weil er vom Dach eines benachbarten Hauses den Hitlergruß zeigte.

Mai
15.

Jeder dritte Thüringer unter Stress

Pix Jeder dritte Thüringer unter Stress

Als Gründe genannt: Arbeitsdruck, Geldsorgen und Hektik im Straßenverkehr
Erfurt (OTZ). Mehr als ein Drittel der Thüringer fühlt sich ständig oder häufig gestresst.

Das zeigt eine aktuelle Studie der Techniker Krankenkasse (TK). Demnach leiden Thüringer ebenso wie die Menschen aus Sachsen und Sachsen-Anhalt deutlich häufiger unter Stress als im Bundesdurchschnitt. Als Gründe gelten vor allem Termindruck am Arbeitsplatz, finanzielle Sorgen und Belastungen im Straßenverkehr. Bei vielen führt der Dauerdruck zu gesundheitlichen Beschwerden. So leidet über die Hälfte der befragten Mitteldeutschen unter Muskelverspannungen und Rückenschmerzen. Aber auch Erschöpfungszustände, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Kopfschmerzen und Schlaf- störungen können Folge sein.

Laut TK-Gesundheitsreport sind die Krankschreibungen aufgrund von psychischen Erkrankungen im Freistaat in den vergangenen acht Jahren um 60 Prozent gestiegen. Stressfaktor Nummer eins ist die Arbeit: Fast jeder zweite Berufstätige in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt arbeitet am Limit. Hetze und Termindruck sind die Hauptgründe. Zudem leiden viele darunter, via Laptop oder Handy rund um die Uhr erreichbar zu sein - insbesondere Führungskräfte.

Vor allem mit Sport, Aufenthalt an der frischen Luft und Gesprächen in der Familie und unter Freunden halten die Thüringer, Sachsen und Sachsen-Anhalter dagegen. Schließlich geben auch neun von zehn Erwerbstätigen an, dass ihnen ihr Beruf Spaß macht - so viel wie in keinem der anderen Bundesländer.

Den bundesweit meisten Stress haben die Menschen in Baden-Württemberg (42 Prozent). Am wenigsten gestresst geben sich hingegen die Bayern (24 Prozent) vor den Menschen in Mecklenburg-Vorpommern (29). Auf diesen Wert kommen überraschender Weise auch die als hektisch verschrieenen Berliner.

Der repräsentative "Kundenkompass Stress ist in Zusammenarbeit der TK mit dem F.A.Z.-Institut und Forsa entstanden. Das Meinungsforschungsinstitut hat im Januar 1014 deutschsprachige Personen zwischen 14 und 65 Jahren zu ihrem Stresspegel, ihrem Umgang mit Stress und den gesundheitlichen Folgen befragt. Die kompletten Studienergebnisse im Internet: >> www.presse.tk-online.de

Mai
11.

Globale Erwärmung und Thüringer Reaktionen

Pix Globale Erwärmung  und Thüringer Reaktionen

Klimaschutzwochen vom 2. bis 23. Juni
Dorndorf (OTZ/O.W.). Der April war der wärmste in Thüringen seit 100 Jahren - der globale Klimawandel macht sich auch hierzulande immer deutlicher bemerkbar.

"Beispielsweise werden die Winter wärmer und feuchter, die Frosttage nehmen ab", erklärt Denis Peisker, Leiter der Bioenergieberatung Thüringen (Biobeth) mit Sitz in Dorndorf. Der Verein gehört zu den Organisatoren der Thüringer Klimaschutzwochen, bei denen vom 2. bis 23. Juni gezeigt werden soll, wie diesen Entwicklungen im Freistaat begegnet werden kann. "Natur und Landschaft, Agrar- und Forstwirtschaft, Siedlungen und Tourismus werden sich durch sie verändern und damit besteht in weiten Bereichen Anpassungsbedarf", betont der Biobeth-Chef.

Speziell für Schulklassen ab Klassenstufe neun werden während der Klimaschutzwochen verschiedene Thementage angeboten. Schwerpunkte sind neben dem Klima auch Energie, Mobilität, Landnutzung sowie Wohnen und Konsum. "Ich kann die Klassen nur dazu aufrufen, sich möglichst schnell anzumelden, denn noch gibt es freie Kapazitäten", sagt Peisker. Darüber hinaus könnten während der Aktion alle Interessierten die Ausstellung "Klima wandelt Thüringen im Pavillon "Leben mit Nachwachsenden Rohstoffen der Landesanstalt für Landwirtschaft in Jena, Naumburger Straße 98, besichtigen.

Anmeldungen zu den Thementagen sowie weitere Informationen >> www.klimaschutzwoche-thueringen.de